Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 60)

Dezember 16, 2009

Gipfeltreffen

Koni Bärtschi schlendert über den Kirchplatz zur Zermatter Bäckerei Biner, ohne die freie Sicht aufs Matterhorn eines Blickes zu würdigen.
Im Laden stehen sich die ersten Frühaufsteher die Beine in den Bauch. Wie immer sind auch einige Prominente dabei. Benissimo Turnheer verlässt die Bäckerei mit einem Butterzopf, Schlagersängerin Francine Jordi räumt die Fitnessgipfeli ab und Radiosprecherin Anna Maier moderiert ihren eigenen privaten Frühstückseinkauf, bei dem ihr noch Dinkelbrötli und ein Walliser Roggenbrot fehle. So, so.
„Hansruedi, wir sitzen hier hinten!“, gellt es durch die Bäckerei.
Bärtschi streckt seinen Kopf, um über die wartende Menschentraube sehen zu können. Da sitzt doch tatsächlich der deutsche Finanzminister Steinbrück mit dem lybischen Revolutionsführer Gaddafi am runden Tischchen.
Bundespräsident Merz wickelt seinen Kauf fertig ab und gesellt sich zur illustren Runde.
„Wir dachten schon, du kommst gar nicht mehr“, meint Gaddafi vorwurfsvoll.
„Sind die öfters hier?“, erkundigt sich Bärtschi bei der Verkäuferin.
„Ab und zu zum Schlemmergipfeltreffen“, entgegnet sie kurz.
„Zum was?“
„Möchten Sie auch einen? Unsere Schlemmergipfel sind mit einer mit Rum abgeschmeckten Vanillecreme gefüllt.“
Bärtschi beobachtet, wie alle drei genüsslich, einander zuzwinkernd, in das beliebte Blätterteiggebäck beissen.

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 59)

Dezember 16, 2009

Hochzeitstorte

Das Pärchen küsst sich unentwegt. Zwei Stunden hat sich das schwierige Verkaufsgespräch mit dem Konditormeister hingezogen, was Bärtschi nicht entgangen ist. Erschöpft fasst der Patissier die Bestellung zusammen:
„Also, der erste Stock der Hochzeitstorte wird zu Drei Viertel eine Rüeblitorte, zu einem Viertel eine Haselnusstorte sein. Die zweite Etage wäre dann eine Eistorte Vanille-Zwetschge sowie zur Hälfte ein zuckerfreier Schokoladenkuchen für die Diabetiker unter den geladenen Gästen. Das dritte Stockwerk ist ein Zusammenspiel aus Aprikosenwähe, Tiramisu und einem kleinen Stück Luzerner Rahmkirschtorte für die extra aus Chicago anreisende Erbtante Klara. Auf dem vierten befindet sich die Ananas Royal für Schwester Eliane, der Marmorgugelhopf für das Patenkind Marvin-Christopher, die Joghurttorte für den Schwiegervater des ersten Mannes der Braut und das zuckerfreie Erdbeermousse für die beiden Trauzeugen. Als Dekoration wünschen Sie gelbe Mainau-Rosen, konfessionsfreie Engel aus Tragant und ein Ihnen beiden farblich entsprechendes Marzipan-Brautpaar.“
Die Heiratswilligen nicken. Dann klingelt ihr Handy.
„Tante Klara kann nicht kommen?“, wiederholt sie enttäuscht.
„Dann müssen wir die Hochzeitstorte in der Form nochmals überdenken“, entgegnet sie lakonisch.
Der Konditormeister soll am Montag, von seinem Nervenzusammenbruch erholt, aus dem Spital entlassen werden.

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 58)

Dezember 16, 2009

Hundekuchen

Die aufgetakelte Dame im massgeschneiderten Chanel-Kostüm unter dem pelzgesäumten Mantel entsteigt dem azurblauen Porsche Cayenne, mit dem sie beim Einparken zuerst ein Fahrrad, dann eine Blumenrabatte über den Haufen gefahren hat. Ist ja auch schwierig, bei dem grossen Fahrzeug über die Motorhaube zu sehen.
„Guten Tag, Frau Baronin. Heute sind Sie aber früh dran?“, begrüsst die Bäckereiverkäuferin die unbeholfene Autofahrerin.
„Zu früh? Ist das Konfekt für meinen Liebsten denn noch nicht fertig?“, erkundigt sich die Adlige mit den teuren Klunkern um den Hals.
„Doch, doch, Frau Baronin. Die Mischung wie gewünscht und die Zürinüssli mit Orangenmarmelade.“
„Orangenmarmelade? Ich sagte doch, auf keinen Fall mit Orangenmarmelade. Mein Liebster mag keine Orangenmarmelade.“
„Oh, das tut mir leid. Da haben wir Sie wohl falsch verstanden“, entschuldigt sich die Frau hinter der Theke.
„Vielleicht hat er sich’s ja heute anders überlegt“, wiegelt die Baronin ab, schnappt sich das Konfekt und geht damit raus zum Wagen. Aus dem Cayenne ist lautes Hundegekläffe zu hören.
„Baron Vivaldi von Höhenkoller ist heute in Orangenlaune. Glück gehabt!“, teilt die Baronin der Verkäuferin erleichtert mit.
Bärtschi hebt sein Fahrrad auf und radelt kopfschüttelnd die Strasse hinunter. Sachen gibt’s.

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 57)

Dezember 16, 2009

Königskuchen

Es duftet herrlich nach Frischgebackenem und Mandeln, als Koni Bärtschi den Verkaufsladen betritt. Erstaunt stellt er fest, dass die Gestelle und Auslagen über und über mit Königskuchen aufgefüllt sind. Dreikönigskuchen in einer Bäckerei sind an und für sich nichts Ungewöhnliches, aber so mitten im Herbst …
„Herr Bärtschi, wollen Sie auch Ihr Glück versuchen?“, fragt die kleine dicke Verkäuferin, die Bärtschi immer an diese bekannten russischen Babuschkafiguren erinnert, und hält ihm einen Dreikönigskuchen vors Gesicht, an dem schon ein paar Stücke abgebrochen wurden.
„Ist der König denn noch drin?“, entgegnet Bärtschi.
„König? Nein, kein König.“
„Kein König? Aber wozu soll ich dann …?“
„Herr Bärtschi, wir haben in der Schweiz keinen König. Wir sind doch eine Demokratie! So ein belesener Mann wie Sie sollte das doch wissen.“
Bärtschi streckt die Waffen und greift nach einem Stück. Prompt beisst er auf das eingebackene Plastikmännchen. Die Babuschka jubelt, als hätte sie ein Preisausschreiben gewonnen.
„Gratuliere, Herr Bärtschi!“, verkündet sie, setzt ihm eine Zipfelmütze auf den Kopf und eine rote Pappnase mit Gummizug ins Gesicht.
„Sie dürfen jetzt den ganzen Tag Bundesrat sein und sich die Klagen der Kundschaft anhören.“

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 56)

Dezember 16, 2009

Orientierungshilfe

20 Jahre ist es her, seit Koni Bärtschi das letzte Mal in San Francisco war. Damals besuchte er oft ein kleines Café mit Konditorei, von einem Schweizer geführt. Ob es das noch gibt?
„Das Café Matterhorn? Ja, das existiert noch“, antwortet der Passant freundlich.
„Und wie kommt man dahin? Ich habe leider die Adresse nicht mehr“, erklärt sich Bärtschi unumwunden.
„Da fahren Sie mit Ihrem Wagen am Best…“
„Ich bin zu Fuss.“
„Zu Fuss?!“
Der Amerikaner schüttelt verständnislos den Kopf.
„Sie müssen Europäer sein. Also, Mister, Sie gehen jetzt die Strasse runter, vorbei am Starbucks Coffee Shop. Nach dem McDonalds biegen Sie rechts ab, kommen an einem Starbucks vorbei und gehen weiter, bis Sie den Burger King kreuzen. Da wechseln Sie auf die andere Strassenseite, gehen zwischen dem McDonalds und einer Starbucks Filiale die Strasse hoch, bis Sie zum Wendys kommen, dem ein Starbucks angegliedert ist. Dann laufen Sie bis zum McDonalds neben dem neuen Burger King. Den grossen Pizza Hut daneben können Sie nicht übersehen. Von da sind’s dann noch zwei Starbucks, ein Wendys und drei McDonalds bis zum Café Matterhorn.“
Bärtschi bedankt sich für die ausführliche Wegbeschreibung. Jetzt erinnert er sich wieder. Er war der festen Überzeugung, dass es auf der letzten Strasse nur ein Starbucks und nur zwei McDonalds sind. Wie sich die Stadt verändert hat.

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 55)

Dezember 16, 2009

Pastetli

„Seltsam, dass der Herr Kälin wieder jeden Tag kommt, draussen auf der kühlen Terrasse sitzt und sich trotzdem nicht mehr darüber beschwert, dass die Pastetli zu kalt seien”, wundert sich die Chefin halblaut.
Der Koch streckt seinen Kopf aus der Durchreiche beim Buffet und macht ebenfalls ein ungläubiges Gesicht.
„Vielleicht ist er krank?”, vermutet er leicht verstört.
Bärtschi, der das Gespräch ungewollt mitgehört hat, wirft einen Blick durch die Glasfront des Cafés auf die Gartenterrasse. Tatsächlich sitzt dort ein älterer Herr mit griesgrämigem Gesichtsausdruck. Aber auf dem Tisch vor ihm kann er keine Pastetli erkennen. Der Platz zwischen Messer und Gabel ist leer, obwohl die Serviererin ganz bestimmt vor wenigen Augenblicken einen Teller mit Pastetli, Erbsli und Pommes an Bärtschis Platz vorbeigetragen hat. Bärtschi entgeht nichts. Nachdem er mit seinem Röntgenblick die Umgebung gescannt hat, prustet er plötzlich belustigt los.
„Vielleicht liegt’s an der neuen Anschaffung, die Sie gemacht haben”, spricht Bärtschi die beiden an.
Mit offenem Mund schauen sie zum gasbeheizten Wärmepilz neben Kälin’s Platz, auf dem der Teller mit den Pastetli vor sich hinbrutzelt.

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 54)

Dezember 16, 2009

Schneewähe

Bärtschi liest an der Bar bei Cappuccino und Thonbrötchen in einer dieser Gratiszeitungen gerade den Artikel, wonach ein österreichischer Energiedrinkproduzent Kokain in seinen Saft gemischt haben soll, als ein junger Mann vom Typ „aufstrebender Rechtsanwalt“ an der Theke der Zürcher Bäckerei Berner der Verkäuferin auffällig eindeutig zweideutig zuzwinkernd seine Bestellung mitteilt:
„Ich hätte gerne eine Schneewähe.“
Bärtschi wartet gespannt auf die Reaktion der Verkäuferin.
„Eine was?“, fragt sie nach.
„Eine Wähe mit“, flüstert er ungeduldig.
„Mit was? Mit Zwiebeln oder Kümmel?“
„Mit Schnee!“, reisst ihm schliesslich der Geduldsfaden.
Die Verkäuferin sieht ihn an, als wäre er ein ausgebrochener Psychiatrieinsasse.
„Schnee, Koks, Cocaina, capische!?“, legt er nach.
Bärtschi hat sich inzwischen dem Kommunikationsproblem genähert und legt dem jungen Mann kameradschaftlich die Hand auf die Schulter.
„Versuchen Sie’s doch vorerst mal mit Kirschstengeli. Das schweizerische Bäckereigewerbe ist noch nicht so weit.“

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Kaffeeklatsch mit Koni Bärtschi (Folge 53)

Dezember 16, 2009

Kombination

„Milchschokolade mit tahitianischen Citrusknospen?“
Am Berliner Kurfürstendamm hat Koni Bärtschi das Geschäft der 1909 gegründeten Chocolaterie Leysieffer betreten. Es gibt wohl keine Kombination, die hier nicht als Tafel angeboten wird.
„Haben Sie dunkle Schokolade mit Marihuana?“, fragt ein alternativ gekleidetes Paar mit holländischem Akzent.
„Ich hole die Bestellung für die Schweizer Botschaft ab. Alpenrahmschokolade mit Greyerzer Fonduemischung“, orientiert der Kunde in holprigem Hochdeutsch.
„Die Emulsion aus getrockneten Cocablättern und bolivianischer Bitterschokolade war ein echter Knüller“, lobt eine lateinamerikanische Augenweide mit milchkaffeebraunen, endlos langen Beinen und grossen Mandelaugen.
„Die Criollo-Mischung mit Havanna-Cohiba-Zusatz wird jerade abjepackt, Herr Castro“, vertröstet die Verkäuferin den bärtigen Herrn im dunkelgrünen Guerilla-Overall.
„Hier wäre dann die ferrarirot einjefärbte Cacaobutter mit einem Hauch Superbenzin für den Herrn Schumacher“, bedient die Verkäuferin am anderen Ende des Korpus.
„Ich hätte gerne eine Tafel Milchschokolade“, teilt Bärtschi mit, als er drankommt.
„Tut mir leid. Ausjefallene Spezialwünsche führen wir nicht“, entgegnet die Verkäuferin berlinerisch unverblümt.

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